DEUTSCH ALS HEILIGE SPRACHE

von Alt­va­ter Jo­han­nes, Abt von Buchhagen

In der or­tho­do­xen Kir­che wird der Got­tes­dienst seit je­her in der Volks­spra­che ge­fei­ert. Bei der Her­ab­kunft des Hei­li­gen Geis­tes, 50 Tage nach der Auf­er­ste­hung, hör­te und ver­stand je­der die Pre­digt der Apos­tel in sei­ner ei­ge­nen Spra­che. Da­her sind »die Völ­ker« (τὰ ἔθνοι) nicht län­ger, wie im Al­ten Bun­de, ein­fach »die Hei­den«, die dem aus­er­wähl­ten »Vol­ke Got­tes« (ὄ λαὸς τοῦ θεοῦ) fremd und ge­sichts­los ge­gen­über stün­den. Viel­mehr ist je­des Volk eine von Gott ge­ge­be­ne glei­cher­ma­ßen ir­di­sche wie geis­ti­ge Wirk­lich­keit und wird als sol­ches an­ge­spro­chen. Da­her lau­tet der bi­bli­sche Auf­trag des Hei­lan­des: „ …ma­chet zu Jün­gern alle Völ­ker“ ! Jede Spra­che, in der Gott »in Geist und in Wahr­heit« an­ge­be­tet und ver­herr­licht wird, ist »Hei­li­ge Spra­che«. Die or­tho­do­xe Lit­ur­gie ist »öf­fent­li­cher hei­li­ger Dienst« und zu­gleich, wie die Vä­ter er­läu­tern, geis­ti­ge »Volks­schöp­fung«. Denn in ihr er­rich­tet sich das »Volk Got­tes« als geis­ti­ger Kern des je­wei­li­gen Vol­kes.

Or­tho­do­xe Lit­ur­gie ist das Kult­mys­te­ri­um par ex­cel­lence, Kris­tal­li­sa­ti­ons­raum gott­mensch­li­chen Le­bens. Sie ist Mys­t­ago­gie, Hin­füh­rung zum ewi­gen Mys­te­ri­um, Teil­ha­be am ewi­gen Ge­sang der En­gel und sa­kra­men­ta­le Eins­wer­dung im le­ben­di­gen Gott. Die Got­tes- und Seins­er­fah­rung von Jahr­tau­sen­den, Theo­lo­gie, An­thro­po­lo­gie, Ethos und Mys­tik, ha­ben sich hier zu hei­li­gem Voll­zug verdichtet. 

Die or­tho­do­xe Lit­ur­gie in deut­scher Spra­che fei­ern be­deu­tet da­her zu­gleich: Hei­li­gung des Deut­schen, Er­he­bung un­se­rer Spra­che zur sa­kra­len Wür­de. Das setzt frei­lich vor­aus, daß der Kult nicht von Men­schen für Men­schen ge­macht, son­dern daß er tat­säch­lich in der Ewig­keit ver­an­kert, also wahr im Voll­sin­ne des Be­grif­fes, wirk­mäch­ti­ger »Wi­der­hall des ewi­gen Ge­sangs der En­gel« ist. Dar­um muß die im Kult er­klin­gen­de Spra­che dem Hei­li­gen an­ge­mes­sen sein, muß aus der Ewig­keit in die Zeit her­über­klin­gen. Als Über­set­zer hei­li­ger Tex­te müs­sen wir vor­ab un­se­re deut­sche Spra­che von ih­rem in­ners­ten geis­ti­gen Grun­de her er­ken­nen und zum Klin­gen brin­gen, von dort her, wo sie sel­ber dem Ewi­gen Wor­te Got­tes ent­quillt und auch on­tisch schon Ur­wort, Hei­li­ge Spra­che ist.

Das Mys­te­ri­um gott­mensch­li­chen Le­bens über­schrei­tet alle mensch­li­che Be­griff­lich­keit und Vor­stel­lung und ent­zieht sich je­dem abs­tra­hie­ren­den Zu­griff. Es will ge­lebt und ge­fei­ert wer­den. Die alt­kirch­li­che Lit­ur­gie spricht nicht al­lein Ver­stand und Ge­müt, son­dern alle mensch­li­chen Kräf­te und Fä­hig­kei­ten an, zu­vör­derst die geis­ti­gen. Sie er­hebt den gan­zen Mensch mit Geist, See­le und Leib, rich­tet ihn aus und führt ihn zur Ein­heit in Gott. Da­bei ist sie an­ge­wie­sen auf das har­mo­ni­sche Zu­sam­men­spiel von Ar­chi­tek­tur, Iko­no­gra­phie, Cho­reo­gra­phie, Ethos, Ge­sang und Ge­bet. Je­der Wi­der­streit, jede Sche­re zwi­schen Form und In­halt wirkt stö­rend, mit­un­ter zer­stö­rend. Wenn die Vor­aus­set­zung wirk­mäch­ti­gen lit­ur­gi­schen Voll­zu­ges »Wahr­heit« ist (Ver­an­ke­rung in der Ewig­keit, Über­ein­stim­mung mit den gött­li­chen Ur­bil­dern), so sind Schön­heit und Er­ha­ben­heit Kenn­zei­chen sei­ner ech­ten »Ge­stalt«.

So sehr also Lit­ur­gie aus Grün­den quillt, die jen­seits des ra­tio­na­li­ter Faß­ba­ren lie­gen, so sehr ist sie doch auf Ver­ste­hen an­ge­wie­sen; frei­lich ei­nes, wel­ches tie­fer grün­det als abs­trak­ter Hirn­ver­stand. Lit­ur­gie er­schließt sich im lau­schen­den und schau­en­den Mit­voll­zug. Das in Ge­bet und ver­in­ner­li­chen­der Stil­le ge­öff­ne­te Herz ver­nimmt in­wen­dig die er­lö­sen­de Wei­sung und wird be­lebt und er­ho­ben durch den Ein­strom der gött­li­chen Gna­de und Kraft. Die geis­ti­ge Ver­nunft – d. i. die Wahr­neh­mungs- und Er­kennt­nis­kraft des Her­zens – greift nicht kür­zer, son­dern un­end­lich wei­ter als die ra­tio­na­le, fleisch­li­che Ver­nunft. Da­bei ste­hen die­se bei­den kei­nes­wegs im Wi­der­streit, son­dern sind viel­mehr un­ter­schied­li­che und ein­an­der not­wen­dig er­gän­zen­de Wei­sen des Ver­neh­mens und Erkennens … 

Das gilt ent­spre­chend für die lit­ur­gi­sche Spra­che. Wer da be­haup­tet, das Ver­ste­hen sei dem Mys­te­ri­um ab­träg­lich, und eine Fremd­spra­che tau­ge des­halb bes­ser zur Lit­ur­gie als die ei­ge­ne, sitzt ei­nem fa­ta­len Fehl­ur­teil über das We­sen des Mys­te­ri­ums und des Chris­ten­tums auf, ähn­lich je­nem, der wähnt, es mit bloß ir­di­schem Ver­stan­de be­herr­schen, Ge­bet und Kult durch »Den­ken« und »Mo­ral« er­set­zen zu kön­nen. Lit­ur­gi­sche Spra­che muß die ver­schie­de­nen Ebe­nen und Tie­fen­schich­tun­gen des Mys­te­ri­ums klin­gen las­sen und im Men­schen initiieren. 

In Wer­bung und Po­li­tik wird Spra­che seit je­her be­wußt ein­ge­setzt, um die je­weils er­wünsch­ten Wir­kun­gen zu er­zie­len, be­kannt­lich kei­nes­wegs im­mer zum Woh­le des Men­schen … Die Ab­sen­kung des Sprach­ni­veaus, bis hin zur Zer­stö­rung und Ver­än­de­rung der Spra­che selbst, ist Kenn­zei­chen ei­nes men­schen­ver­ach­ten­den To­ta­li­ta­ris­mus, der da­mit die Ent­geis­ti­gung und Ent­mün­di­gung der Men­schen mit dem Ziel ih­rer leich­te­ren Ent­mün­di­gung und Ver­skla­vung be­zweckt. Jede ech­te Kul­tur hin­ge­gen wird um He­bung der Spra­che und der Sprach­fä­hig­keit be­müht sein, mit dem Ziel der geis­ti­gen Frei­heit und Selb­stän­dig­keit des Men­schen. Wie­viel not­wen­di­ger ist es da erst recht im Be­reich des Hei­li­gen, wo es um die Wahr­heit und Fül­le des Seins schlecht­hin, um die ewi­gen Din­ge und das Mys­te­ri­um gott­mensch­li­chen Le­bens geht, un­se­re wun­der­vol­le, alt­ehr­wür­di­ge und über­rei­che deut­sche Spra­che in ih­rer gan­zen Schön­heit, Kraft und Tie­fe und Er­ha­ben­heit zu verwenden!

Die Art und Wei­se, wie wir Lit­ur­gie er­le­ben, streng ge­nom­men so­gar ihre Wirk­mäch­tig­keit, wird we­sent­lich durch die Spra­che, ge­nau­er­hin ihre Kul­tur oder Un­kul­tur, be­ein­flußt. Ihre se­man­ti­sche Sei­te – Wort­wahl, Klar­heit, Stim­mig­keit des Aus­drucks, in­halt­li­che An­klän­ge, mit­schwin­gen­de Er­in­ne­run­gen etc. – ist ver­ant­wort­lich für die in­halt­li­che Tie­fe (oder Un­tie­fe) des Ge­sche­hens. Ihre poe­tisch-mu­si­ka­li­sche Sei­te – Wir­kun­gen und Zu­sam­men­spiel der Klän­ge und Rhyth­men – prägt die Stim­mung, gie­bt dem Gan­zen Far­be, An­mu­tung und Ge­stalt. Mit­hil­fe sprach­li­cher Fein­hei­ten und Fär­bun­gen kön­nen Sinn­zu­sam­men­hän­ge je nach­dem nur zart an­ge­deu­tet oder schär­fer um­ris­sen, im Hin­ter­grund ver­an­kert oder her­vor­ge­ho­ben und ins Licht ge­stellt wer­den. Um­ge­kehrt kann mit glei­chen Mit­teln Wirk­lich­keit oder Sinn ver­ne­belt, ver­fälscht, kann schlimms­ten­falls ge­lo­gen und ma­ni­pu­liert wer­den. Und nicht zu­letzt kann trotz bes­ten Wil­lens und ohne böse Ab­sicht Sinn ver­frem­det und schlimms­ten­falls ver­fehlt wer­den, wo­fern man sich über die­se Din­ge nicht im Kla­ren und fahr­läs­sig im Um­gang mit Spra­che ist. Die mo­der­ne For­de­rung, lit­ur­gi­sche Spra­che müs­se „ein­fach und all­ge­mein­ver­ständ­lich“ sein, hat zwar ei­nen rich­ti­gen Kern, führt aber oft dazu, daß das Hei­li­ge her­ab­ge­zo­gen und pro­fa­niert – also sei­nes geis­ti­gen We­sens­ker­nes be­raubt wird. Man täu­sche sich nicht dar­über hin­weg, daß die Ab­sen­kung des Sprach­ni­veaus im­mer den Zu­gang zum Kult­mys­te­ri­um be­hin­dert und ver­sperrt, auch wenn es nicht bis zur Schmerz­gren­ze ge­trie­ben wird. 

Als be­son­ders pro­ble­ma­tisch er­wei­sen sich solch abs­trak­te For­de­run­gen wie jene, je­weils ein grie­chi­sches Wort mit im­mer dem­sel­ben deut­schen Wort zu über­tra­gen, was an­geb­lich größt­mög­li­che „Nähe zum Ur­text“ ge­währ­leis­ten soll. Tat­säch­lich wird da­durch der Ur­text kas­triert, und die Tat­sa­che aus­ge­blen­det, daß im Deut­schen eben­so wie im klas­si­schen und früh­mit­tel­al­ter­li­chen Grie­chi­schen Wör­ter sich se­man­tisch über­schnei­den, daß zu­mal in lit­ur­gi­schen, phi­lo­so­phi­schen und poe­ti­schen Tex­ten be­stimm­te Kern­be­grif­fe in ver­schie­de­nen und teils be­son­de­ren, nur in be­stimm­ten Zu­sam­men­hän­gen in Fra­ge kom­men­den Be­deu­tun­gen ein­ge­setzt wer­den, und schon von da­her eine sehr viel dif­fe­ren­zier­te­re Her­an­ge­hens­wei­se bei der Über­tra­gung er­hei­schen. Wör­ter ge­win­nen oft erst durch ih­ren Ort und Zu­sam­men­hang ih­ren se­man­ti­schen Hof. Nicht zu­letzt soll­te man – bei al­ler poe­ti­scher Frei­heit – Gram­ma­tik, Syn­tax und lin­gu­is­ti­schen Code des Deut­schen ach­ten und wah­ren. Sa­kra­le Spra­che darf we­der un­ver­ständ­lich sein (das wäre bil­li­ger Mys­ti­zis­mus), noch darf sie sich dem all­täg­li­chen Sprach­ge­brau­che an­bie­dern und dem Nie­de­ren oder auch nur dem Ge­mei­nen und All­täg­li­chen Vor­schub leis­ten. Sie soll ein­präg­sam und klar, aber nicht wohl­feil, viel­mehr dem hei­li­gen Ge­sche­hen an­ge­mes­sen sein. Sie soll an­spre­chen, sam­meln, er­we­cken und er­he­ben; sie muß durch­drin­gen ohne auf­dring­lich zu wir­ken, Herz und Sinn zum Geist hin aus­rich­ten. Als ge­lun­gen darf man sie be­zeich­nen, wenn sie – bei größ­ter Treue zum Ge­ge­be­nen – gut über die Lip­pen und zu Her­zen geht, und da­bei im Sin­ne des theour­gi­schen und mys­t­ago­gi­schen Ge­sche­hens wirk­mäch­tig ist. 

Zur Über­set­zung hei­li­ger Tex­te im Geis­te der Hei­li­gen Über­lie­fe­rung be­darf es, ne­ben den selbst­ver­ständ­li­chen phi­lo­lo­gi­schen und theo­lo­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen, ei­nes tie­fen per­sön­li­chen Glau­bens­le­bens, ei­ner Grund­hal­tung der De­mut, der Klar­heit und der geis­ti­gen Un­ter­schei­dung, so­dann aber auch ei­nes aus­ge­präg­ten Sprach­emp­fin­dens und … letzt­lich – tie­fer Lie­be zum Deutschen.

Die recht­eh­ren­de (or­tho­do­xe) Kir­che hat im Be­reich des Kul­tus, der Geis­tig­keit, des Got­tes- und Men­schen­bil­des (Theo­lo­gie und An­thro­po­lo­gie) vie­les be­wahrt, was an­ders­wo im Lau­fe der Ge­schich­te ver­lo­ren, mit­un­ter ent­wer­tet oder ver­fälscht er­scheint. Weit ent­fernt da­von, sich in „ori­en­ta­lisch blu­mi­ger Aus­drucks­wei­se“ zu ver­lie­ren – wel­che oft ge­hör­te Be­haup­tung nur ein zweck­dien­li­ches Vor­ur­teil ist – bil­det die or­tho­do­xe lit­ur­gi­sche Poe­sie mit der Spra­che der Theo­lo­gie, Phi­lo­so­phie, An­thro­po­lo­gie und Spi­ri­tua­li­tät eine un­trenn­ba­re Ein­heit. Da­bei ist sie in den ent­schei­den­den Din­gen von be­wun­derns­wer­ter be­griff­li­cher Klar­heit, ohne in­des der Ver­su­chung der Abs­trak­ti­on zu er­lie­gen oder ihr auch nur nach­zu­ge­ben. Daß sie nicht trotz­dem, son­dern ge­ra­de des­we­gen Poe­sie ist, wird je­dem, der ein tie­fe­res Sprach­emp­fin­den und ge­nü­gend Er­fah­rung or­tho­do­xer christ­li­cher Geis­tig­keit be­sitzt, un­mit­tel­bar ein­leuch­ten. Denn ihre Ei­gen­tüm­lich­keit be­steht dar­in, daß sie in Wor­te faßt, was we­sent­lich jen­seits abs­trak­ter Be­griff­lich­keit liegt, was aber gleich­wohl – weil aus dem Ewi­gen Wor­te (Joh. I) ge­bo­ren – Wor­te der Wahr­heit und des ewi­gen Le­bens (Joh. VI, 68) zu reins­ter Ge­stalt ver­dich­tet. Sie tran­szen­diert die as­ke­tisch ge­läu­ter­ten und kris­tal­li­nen Be­grif­fe der Hei­li­gen Über­lie­fe­rung zu lob­prei­sen­dem geist­durch­wo­be­nem Gesang. 

Hier­in nun be­steht eine ih­rer Schwie­rig­kei­ten bei der Über­tra­gung. Denn gute deut­sche Poe­sie zieht es vor, in we­ni­gen wohl­ge­füg­ten Wor­ten viel zu sa­gen und noch mehr zu be­deu­ten, in­dem sie auf vor­ge­wuß­te Be­zie­hun­gen re­kur­riert. Die grie­chi­sche lit­ur­gi­sche Poe­sie, die in ih­ren vor­christ­li­chen sa­kra­len Ur­sprün­gen der äl­tes­ten deut­schen na­tur­ge­mäß sehr na­he­stand, kennt und nutzt die­ses „im Wink nur an­klin­gen las­sen“ des (dem Ein­ge­weih­ten) Wohl­be­kann­ten – man den­ke etwa an die Ken­nin­ge der Edda. Aber lie­ber noch um­kreist sie die Din­ge, wen­det sie hin und her, be­leuch­tet sie von den un­ter­schied­lichs­ten Sei­ten und stellt so Be­zie­hung her, wo­durch dann in der Ge­samt­schau das We­sen umso kla­rer her­vor­tritt. Nicht um­sonst ist der grie­chi­sche Fach­be­griff für den lit­ur­gi­schen Hym­nos τροπάριον, was so­viel be­deu­tet wie „das Ge­dreh­te, das hin- und her ge­wand­te“. Es sind oft gan­ze Rei­hen sol­cher „Tro­pa­ri­en“ (Ka­nons, Konda­ki­en, Sticho­di­en), in de­nen die je­wei­li­gen In­hal­te be­sun­gen wer­den, so, wie man einst die Schran­ken und Tore des hei­li­gen Be­zir­kes zum Fes­te mit kunst­voll aus Zwei­gen, Blu­men und Früch­ten ge­floch­te­nen Gir­lan­den um­wand. Ge­ra­de die ewi­gen Din­ge, die sich glei­cher­ma­ßen dem bloß ra­tio­na­len Zu­griff wie der bloß emo­tio­na­len An­nä­he­rung ent­zie­hen, tre­ten in der poe­ti­schen, d. h. schöp­fe­ri­schen, gott- und schöp­fungs­ge­mä­ßen Wei­se umso lich­ter her­vor. Ana­log fin­den sich in den Ge­be­ten mit­un­ter gan­ze Wort­ket­ten, etwa in der An­ru­fung ei­ner der gött­li­chen Ge­stal­ten der Hei­li­gen Drei­heit, oder Rei­hun­gen von Epi­the­ta, in wel­chen die ver­schie­de­nen Aspek­te des je­wei­li­gen Ge­gen­stan­des re­flek­tiert wer­den. Eine nicht ge­rin­ge Her­aus­for­de­rung bei der sprach­li­chen Aus­ge­stal­tung die­ser Tex­te im Deut­schen liegt nun, um nur dies eine Bei­spiel zu nen­nen, dar­in, sol­che Rei­hun­gen nicht zu er­mü­den­den syn­ony­men Wör­ter­hau­fen zu­sam­men­schnur­ren zu las­sen, son­dern so zu fas­sen, daß sie tat­säch­lich als dy­na­mi­sche Fol­ge ein­an­der er­gän­zen­der Glanz­lich­ter, ver­gleich­bar de­nen ei­nes kunst­voll fa­cet­tier­ten Edel­stei­nes, her­vor­tre­ten und ihre mys­t­ago­gi­sche Wir­kung ent­fal­ten. Da­bei spie­len ge­ra­de die ver­nei­nen­den Be­grif­fe (wie: un­vor­stell­bar, un­sag­bar, un­sterb­lich, un­blu­tig u.v.a.) eine gro­ße Rol­le, wie sie die apo­pha­ti­sche Theo­lo­gie und Hal­tung des or­tho­do­xen Chris­ten­tums her­vor­ge­b­archt hat. Die Vor­sil­be „un-“ hat hier nichts Pe­jo­ra­ti­ves (wie in: un­schön, un­klar), son­dern drückt viel­mehr den grund­sätz­lich not­wen­di­gen „er­kennt­nis­theo­re­ti­schen Vor­be­halt“ aus. In ein­zel­nen Fäl­len kann man im Deut­schen das ver­nei­nen­de grie­chi­sche „a-“ in ein die Tran­szen­die­rung be­to­nen­des „über-“ ver­wan­deln (wie „über­kör­per­lich“ für „ἀσώματος“.)

Dies tritt be­son­ders im An­fang des Hoch­ge­be­tes, hier bei Gold­mund, hervor:

Wahr­haft wür­dig ist es und recht, Dir zu sin­gen, Dich zu lo­ben, Dich zu seg­nen, Dir zu dan­ken und Dich an­zu­be­ten an je­dem Orte Dei­ner Macht. Du bist der un­vor­stell­ba­re und un­aus­sprech­li­che, un­sicht­ba­re und un­faß­ba­re Gott, ewi­ges Sein, ein­zig aus sich sel­ber sei­end, Va­ter, ein­ge­bo­re­ner Sohn und Hei­li­ger Geist …

Zur Ver­an­schau­li­chung der Be­deu­tung sprach­li­cher Aus­ge­stal­tung die­ne der nach­ste­hen­de Text­ver­gleich des Pries­ter­ge­be­tes zur drit­ten Für­bit­te der Goldmundliturgie.

Buch­hä­ger Übersetzung:

Uns zur Ge­mein­schaft hast Du das in­ni­ge Be­ten ge­schenkt, wie Du ver­hei­ßen hast: “Wo zwei oder drei in Dei­nem Na­men eins wor­den sind, da wer­den ihre Bit­ten er­füllt” – so er­fül­le nun das Ge­bet Dei­ner Söh­ne zum Heil; auf Er­den gieb uns Er­kennt­nis der Wahr­heit, in den Him­meln aber das ewi­ge Leben.

Denn ein gu­ter und men­schen­lie­ben­der Gott bist Du, und Dir brin­gen wir un­se­ren Lob­ge­sang dar, dem Va­ter und dem Soh­ne und dem Hei­li­gen Geis­te, wie es war im An­fang, so auch jetzt und alle Zeit, und in Ewig­keit. Amen.

Kom­mis­si­ons­über­set­zung:

Der du uns die­se ge­mein­sa­men und ein­mü­ti­gen Ge­be­te ge­schenkt hast, und der du ver­hei­ßen hast, zwei­en oder drei­en, die in dei­nem Na­men ein­mü­tig sind, ihre Bit­ten zu ge­wäh­ren, du sel­ber er­fül­le auch jetzt die Bit­ten dei­ner Knech­te und Mäg­de zu ih­rem Nut­zen, in­dem du uns in dem ge­gen­wär­ti­gen Zeit­al­ter die Er­kennt­nis dei­ner Wahr­heit ver­leihst und in dem künf­ti­gen das ewi­ge Le­ben schenkst. 

Denn ein gu­ter und men­schen­lie­ben­der Gott bist du, und dir sen­den wir die Ver­herr­li­chung em­por, dem Va­ter und dem Soh­ne und dem Hei­li­gen Geis­te, jetzt und im­mer­dar und von Ewig­keit zu Ewig­keit. Amen.

Über­set­zung von Neo­phy­tos Edelby:

Du hast uns die­se ge­mein­sa­men und ein­mü­ti­gen Ge­be­te ge­schenkt. Du hast auch ver­spro­chen, wo zwei oder drei in Dei­nem Na­men sich ver­sam­meln, daß Du sie er­hö­rest. So er­fül­le denn jetzt die Bit­ten Dei­ner Die­ner zu ih­rem Heil: Gib uns in die­ser Welt die Er­kennt­nis Dei­ner Wahr­heit, in der zu­künf­ti­gen aber ewi­ges Leben.

Denn ein gü­ti­ger und men­schen­lie­ben­der Gott bist Du, und Dir sen­den wir Lob­preis em­por, Va­ter, Sohn und Hei­li­ger Geist, jetzt und im­mer­dar und von Ewig­keit zu Ewig­keit. Amen.

Nicht nur sprach­li­che, son­dern auch in­halt­li­che (!) Ver­schie­bun­gen sei­en schließ­lich am Bei­spiel des ers­ten Ge­be­tes der Gläu­bi­gen aus der Lit­ur­gie der vor­ge­weih­ten Ga­ben veranschaulicht.

Buch­hä­ger Übersetzung:

Gro­ßer und er­ha­be­ner Gott, durch den le­ben­zeu­gen­den Tod Dei­nes Ge­salb­ten hast Du uns aus der Ver­gäng­lich­keit ins ewi­ge Le­ben ge­stellt. Be­freie all un­se­re Sin­ne von lei­den­zeu­gen­der To­des­star­re, und gieb uns den von in­nen her auf­stei­gen­den Ge­dan­ken als gu­ten Füh­rer ein …

Über­set­zung von Neo­phy­tos Edelby:

Gro­ßer und lob­wür­di­ger Gott, durch den Tod Dei­nes Chris­tus hast Du uns von der Ver­wes­lich­keit zur Un­ver­wes­lich­keit kom­men las­sen. Be­freie alle un­se­re Sin­ne von töd­li­chen Lei­den­schaf­ten und gib ih­nen als gu­ten Füh­rer die in­ne­re Vernunft …

Er­läu­te­rung dazu:

Man be­ach­te die Ge­gen­über­stel­lung des le­ben­zeu­gen­den To­des des Ge­salb­ten und der lei­den­zeu­gen­den To­des­star­re des geis­tig ver­irr­ten Men­schen. Die meis­ten Über­set­zun­gen ge­ben auf­grund ei­ner über­lie­fe­rungs­fer­nen Spi­ri­tua­li­tät die­ser Ge­gen­über­stel­lung eine völ­lig an­de­re Sinn­rich­tung. Da­bei wird der Sach­ver­halt ins Ge­gen­teil ver­kehrt. Es heißt im grie­chi­schen Text näm­lich nicht „von tod­brin­gen­den Lei­den­schaf­ten“, son­dern τῆς ἐμπαθοῦς νεκρώσεως, was in­ter­li­ne­ar als “lei­den­schaft­li­ches Ab­ge­stor­ben­sein” zu über­set­zen wäre. 

Νέκρωσις als Wort taucht in hel­le­nis­ti­scher Zeit auf und be­deu­tet Ab­ster­ben oder Er­stor­ben­sein, wie in Röm IV, 19 vom Er­stor­ben­sein des Lei­bes Abra­hams und Sa­ras die Rede ist. Da­ne­ben ver­wen­det Pau­lus das Wort im Sin­ne von Ab­tö­tung. Oft wird es auch im über­tra­ge­nen Sin­ne ge­braucht und meint das Er­stor­ben­sein des Her­zens, also geis­ti­ge Taub­heit und man­geln­de Le­ben­dig­keit, was sich in­halt­lich über­schnei­det mit πώρωσιςVer­stockt­heit, Her­zens­här­te. Es geht also in dem Ge­bet gar nicht um sinn­li­che Lei­den­schaf­ten, son­dern viel­mehr um “lei­den­schaft­li­che” i. S. v. zwang­haf­te und da­her lei­den­zeu­gen­de Ab­tö­tung und Ab­stump­fung der Wahr­neh­mungs­kräf­te ! Die­se un­christ­li­che „Ab­tö­tung“ ist aber Ver­drän­gung (!) und führt ih­rer­seits zu geis­ti­ger Star­re und Todesverfallenheit. 

Im Ge­bet folgt die Auf­zäh­lung je­ner Din­ge, die wir mei­den und je­ner, die wir er­stre­ben soll­ten, um sol­cher To­des­ver­fal­len­heit zu ent­ra­ten, wel­che trotz der ein für al­le­mal ge­sche­he­nen Er­lö­sung stets noch als Ge­dan­ken­kraft und Sog der Sün­de in uns wirkt. 

Was aber ist mit ἔνδοθεν λογισμὸς ge­meint? „In­ne­re Ver­nunft“? So­fern man dar­un­ter die geis­ti­ge Ver­nunft als Wahr­neh­mungs- und Er­kennt­nis­ver­mö­gen des Inne­ren Men­schen ver­steht, liegt man si­cher­lich nicht falsch. Doch ist λογισμὸς nicht Ver­nunft (das wäre διανοία), son­dern nur der Ge­dan­ke; vor al­lem aber han­delt es sich um ei­nen Kern­be­griff der or­tho­do­xen As­ke­tik. ἔνδοθεν ist nicht nur in­nen, son­dern von-in­nen-her. Es ist also nicht all­ge­mein von der geis­ti­gen Er­kennt­nis­kraft die Rede, schon gar nicht von „Ver­nunft“ im heu­te gän­gi­gen ra­tio­na­lis­ti­schen Sin­ne, son­dern kon­kret von je­nen „Ge­dan­ken“, die aus dem got­ter­ken­nen­den Her­zen auf­stei­gen, wel­ches in der Über­lie­fe­rung auch als „das In­ne­re“ be­zeich­net wird, und wor­über bei den hei­li­gen Vä­tern We­sent­li­ches ge­sagt ist. Ins­be­son­de­re ist an des hl. Gre­gor Pa­la­mas’ Er­läu­te­run­gen zum Zu­stand der Her­zens­rein­heit zu den­ken, in wel­chem die Ge­dan­ken Got­tes sich dem ge­öff­ne­ten Geis­te des Men­schen ein­sie­geln. Von die­ser Art des Ge­dan­kens ist hier die Rede. Und eben die­ser möge zum ἀγαθόν ἡγεμόνα, zum gu­ten Füh­rer un­se­rer Sin­nes­tä­tig­keit werden.

Ins­ge­samt be­dient das Ge­bet also ge­ra­de nicht jene weit­ver­brei­te­ten pseu­do­christ­li­chen Vor­stel­lun­gen von der „Ab­tö­tung der Sin­ne“, son­dern zielt im Ge­gen­teil auf de­ren Ge­sun­dung, Rei­ni­gung und Ver­ede­lung. Erst kraft sol­cher Wie­der­her­stel­lung und rech­ten Len­kung wer­den sie näm­lich über­haupt in die Lage ver­setzt, die zum geis­ti­gen Tode füh­ren­de Macht der Sün­de und der An­haf­tung an Un­ei­gent­li­ches zu ent­lar­ven und sich ihr in männ­li­chem Kamp­fe zu widersetzen.

AUFBAU DER GÖTTLICHEN LITURGIE

Der Mys­te­ri­en­cha­rak­ter des or­tho­do­xen Got­tes­diens­tes ver­dich­tet sich in der gött­li­chen Lit­ur­gie, der Fei­er des gott­mensch­li­chen Mys­te­ri­ums schlecht­hin. Der Mit­voll­zug der Mys­te­ri­en­fei­er und die Teil­ha­be an den, wie der hei­li­ge Jo­han­nes Gold­mund (Chry­sosto­mos) es aus­drückt, hei­li­gen, ge­wal­ti­gen und schreck­li­chen Mys­te­ri­en for­dert vom Gläu­bi­gen eine ent­spre­chen­de Hal­tung so­wie be­son­de­re in­ne­re und äu­ße­re Vor­be­rei­tung. Auf lit­ur­gi­scher Ebe­ne ge­schieht dies durch die Mit­fei­er der Hei­li­gen Ves­per am Vor­abend, durch Fas­ten und Ent­hal­tung vor der Lit­ur­gie, durch wür­di­ge Klei­dung und Hal­tung so­wie durch den sorg­fäl­ti­gen Mit­voll­zug der hei­li­gen Ges­ten der An­be­tung und Ver­eh­rung. Die geis­ti­ge Ebe­ne wird in der Mys­t­ago­gie des hei­li­gen Ma­xi­mos des Be­ken­ners be­schrie­ben. Wäh­rend der Fei­er des Or­thros emp­fängt der dienst­ha­ben­de Pries­ter den Se­gen vom Abt und nimmt Zeit, d.h. er be­ginnt mit den Stu­fen­ge­be­ten. Dann voll­zieht der Pries­ter am Rüst­al­tar (Pro­the­sis) ei­nen be­son­de­ren Ri­tus zur Be­rei­tung der Gaben. 

1. Vorbereitung der Zelebranten

a) Zeit neh­men. Ge­be­te des Pries­ters, mit de­nen er sich, nach­dem er den Se­gen vom Abt emp­fan­gen hat, an der Bil­der­wand in meh­re­ren Schrit­ten auf den hei­li­gen Dienst vorbereitet.

b) Be­klei­dung der Pries­ter und Dia­ko­ne mit den hei­li­gen Ge­wän­dern im Dia­ko­ni­kon, was un­ter ent­spre­chen­den Ge­be­ten voll­zo­gen wird.

2. Zurüstung (Proskomidie)

a) Be­rei­tung der Op­fer­ga­ben. Brot und Wein wer­den un­ter Ver­ge­gen­wär­ti­gung des ein­ma­li­gen und un­wie­der­hol­ba­ren Op­fers Jesu Chris­ti zu­be­rei­tet. Da­bei wird aus dem Wei­he­brot der Mit­tel­teil, das Lamm, her­aus­ge­schnit­ten, auf den Dis­kos ge­legt und ri­tu­ell an­ge­schnit­ten (… wie ein Lamm ward Er zur Schlacht­bank ge­führt, …) so­dann Wein und Weih­was­ser in den Kelch ge­gos­sen (… ein Krie­ger durch­stach Sei­ne Sei­te mit ei­nem Speer, und so­gleich quol­len Blut und Was­ser hervor …)

b) Hin­zu­fü­gung wei­te­rer Teil­chen des Wei­he­bro­tes für die Mut­ter Got­tes, die En­gel und Hei­li­gen, den Alt­va­ter und den Bi­schof, für die­je­ni­gen le­ben­den und ver­stor­be­nen Gläu­bi­gen, die in den Ge­denk­bü­chern des Hei­lig­tums ver­zeich­net sind, so­wie für jene, für die ein­zel­ne Gläu­bi­ge Op­fer­zet­tel ab­ge­ge­ben haben.

c) Ver­hül­lung der Ga­ben. So­dann wer­den Kelch und Dis­kos mit kreuz­för­mi­gen Tü­chern und bei­des mit ei­nem grö­ße­ren Tuch, dem Wind, um­hüllt, was auf die dem mensch­li­chen Ver­stand und den äu­ße­ren Sin­nen un­er­kenn­ba­re Sei­te des Mys­te­ri­ums verweist.

d) Seg­nung und Weih­rauch. Schließ­lich setzt der Pries­ter das eine ewi­ge Op­fer und das lit­ur­gi­sche Ge­sche­hen und die Ge­den­ken und Für­bit­ten und alle Ga­ben zu­ein­an­der in Be­zie­hung und seg­net al­les mit dem Zei­chen des Kreu­zes und hei­li­gem Weihrauch.

WORTTEIL

3. Eröffnungsteil (Enarxis) mit Einzug

Ist ein Bi­schof zu­ge­gen, wird er zu­nächst von den üb­ri­gen Ze­le­bran­ten an der Tem­pel­tü­re in Emp­fang ge­nom­men und durch Nar­thex und Kö­nigs­tü­re in die Mit­te des Tem­pels ge­führt (meist et­was west­lich der Mit­te, mit­un­ter gleich an der Türe), wo dann alle wei­te­ren Ze­le­bran­ten den Se­gen von ihm emp­fan­gen. Der im Rang nächs­te nach ihm geht zum Al­tar und spricht den Ein­gangs­se­gen. Der Bi­schof bleibt bis zum Ein­zug am Ambo, wo er von Dia­ko­nen mit den hei­li­gen Ge­wän­dern be­klei­det wird.

Tri­ni­ta­ri­scher Ein­gangs­se­gen. „Ge­seg­net sei das ur­ewi­ge Reich des Va­ters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes, wie es war im An­fang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.“

Gro­ße Für­bit­ten, ers­tes Priestergebet.

Ers­ter Wech­sel­ge­sang, i.d.R. Psalm 102. Fest­ta­ge ha­ben hier ei­ge­ne Psalmen.

Klei­ne Für­bit­ten. Zwei­tes Priestergebet.

Zwei­ter Wech­sel­ge­sang, i.d.R. Psalm 145. Fest­ta­ge ha­ben hier ei­ge­ne Psalmen.

Hym­nos O Ein­ge­bo­re­ner Sohn, Ewi­ges Wort …

Klei­ne Für­bit­ten. Drit­tes Priestergebet.

Drit­ter Wech­sel­ge­sang, die Se­lig­prei­sun­gen. Fest­ta­ge ha­ben hier ei­ge­ne Psalmen.

Ein­zug. Un­ter dem Ge­sang des „Ret­te uns, Sohn Got­tes, der du …(Fest­mot­to)“ zie­hen die Ze­le­bran­ten auf den Ambo in der Mit­te des Tem­pels, der heu­te meist nur noch durch eine ent­spre­chen­de mehr oder we­ni­ger kunst­vol­le Mar­kie­rung auf dem Fuß­bo­den an­ge­deu­tet ist. Da­bei trägt der Dia­kon das Evan­ge­li­ar. Der Haupt­ze­le­brant (Proes­tos, d.h. Bi­schof oder Abt oder der sonst rang­höchs­te Pries­ter) seg­net den Ein­zug.

Fest­ge­sän­ge. Der Chor singt die Hym­nen des Ta­ges und die Tro­pa­ri­en des Klos­ters bzw. des Tem­pels, zu­letzt den Hym­nos zur Mut­ter Got­tes „Hil­fe der Christen …“.

4. Lesungen

Pries­ter­ge­bet zur Ein­lei­tung des drei­hei­li­gen Hym­nos (Trisha­gi­on).

Der drei­hei­li­ge Hym­nos (Trisha­gi­on) wird im Wech­sel von Chor/Gemeinde und Al­tar ge­sun­gen, wo­bei nach je­der An­ru­fung die ent­spre­chen­de Ge­bets­hal­tung (Oran­ta) in ei­ner tie­fen Ver­beu­gun­gen (Me­ta­ni­en, Pros­ky­ne­sen) mün­det.

Wech­sel­ge­sang zur Ein­lei­tung der Le­sun­gen (Pro­ki­me­non, von gr. pro = vor und kei­me­non = Text, also: was vor dem Text steht). Das sind Psalm­ver­se, die der Vor­sän­ger ein­zeln vor­trägt, wo­bei der Chor den ers­ten Vers oder Halb­vers als Kehr­vers (Re­frain) singt. Das Pro­ki­me­non ist ge­wis­ser­ma­ßen ein „Mot­to“ für den Fest­ge­dan­ken des Tages. 

Le­sung aus der Apos­tel­ge­schich­te oder den apos­to­li­schen Briefen.

Al­le­lu­ja. Das Al­le­lu­ja wird von al­len ge­sun­gen, der Chor fügt zwi­schen den Al­le­lu­ja­ru­fen wie­der­um Psalm­ver­se ein. Da­bei weih­räu­chert der Vor­ste­her am Al­tar und, von der So­lea aus, die Bil­der­wand und die Gläubigen.

Frie­dens­gruß und Evan­ge­li­um. Der Dia­kon emp­fängt vom Vor­ste­her das Evan­ge­li­ar und trägt es in fei­er­li­cher Pro­zes­si­on zum Ambo in der Mit­te des Tem­pels, wo ein Schlan­gen­pult auf­ge­baut ist (… so wie Mose in der Wüs­te eine Schlan­ge er­höht hat, also muß des Men­schen Sohn er­hö­het wer­den …). Nach ent­spre­chen­den Seg­nun­gen und Ge­sän­gen im Wech­sel von Vor­ste­her und Ge­mein­de trägt der Dia­kon das Evan­ge­li­um des Ta­ges vor, und zwar im­mer in ei­ner be­son­de­ren, ri­tu­el­len Ge­sangs­art, dem so­ge­nann­ten Le­se­ton.

Ho­mi­lie. Nach der Rück­tra­gung des Evan­ge­li­ars seg­net der Vor­ste­her mit die­sem die Ver­samm­lung und er, oder ein an­de­rer Pries­ter, legt die Schrift aus. Da­bei soll ge­mäß der hei­li­gen Über­lie­fe­rung be­son­ders der geis­ti­ge Sinn ver­deut­licht werden.

Gro­ße all­ge­mei­ne Fürbitten.

Für­bit­ten­ge­bet für die Ka­techu­me­nen, sonn­abends au­ßer­dem be­son­ders für die Verstorbenen.

Ent­las­sung der Ka­techu­me­nen. Zur Fei­er der hei­li­gen Mys­te­ri­en be­ge­ben sich alle, die nicht im in­ne­ren Tem­pel blei­ben dür­fen (Ka­techu­me­nen, En­er­gu­me­nen, Un­vor­be­rei­te­te, An­ders­gläu­bi­ge usw.) in den Vor­tem­pel (Nar­thex). Sie neh­men dort aber gleich­wohl wei­ter am Got­tes­dienst teil, in­dem sie mög­lichst alle Ver­beu­gun­gen, Ge­sän­ge und lit­ur­gi­schen In­ter­ak­tio­nen sorg­fäl­tigst mit­voll­zie­hen, weil der Stand der Ka­techu­me­nen ja ein Stand des Ler­nens und Ein­übens der Or­thop­ra­xie ist. Im in­ne­ren Tem­pel gel­ten jetzt die strengs­ten Re­geln, und je­der, der dort an­we­send ist, muß selbst­ver­ständ­lich alle Ri­ten und Ver­eh­run­gen (Nie­der­wer­fun­gen, Ver­beu­gun­gen, Ge­be­te, usw.) voll­stän­dig mitvollziehen. 

Nach der früh­christ­li­chen Ar­kan­dis­zi­plin (von lat. Ar­ka­num = hei­li­ges Ge­heim­nis, Mys­te­ri­um) dür­fen sich nur vor­be­rei­te­te or­tho­do­xe Chris­ten wäh­rend der Mys­te­ri­en­fei­er im in­ne­ren Tem­pel auf­hal­ten. Wer im Stand der Sün­de ist oder eine ernst­haf­te Ver­feh­lung nicht recht­zei­tig vor­her beich­ten konn­te, kann eben­falls, als En­er­gu­me­ne, nur im Vor­tem­pel an der Mys­te­ri­en­fei­er teil­neh­men. Das be­deu­tet nach den Er­klä­run­gen der Vä­ter, daß auch die Gläu­bi­gen, die im in­ne­ren Tem­pel blei­ben, nun al­les, was an ih­nen äu­ßer­lich, welt­lich und nicht Gott ge­mäß ist an Ge­dan­ken, Stim­mun­gen, Hal­tun­gen und Er­in­ne­run­gen fort­schi­cken müs­sen. Die Ar­kan­dis­zi­plin sym­bo­li­siert so­wohl das jüngs­te Ge­richt als auch Ent­schei­dung und Rei­ni­gung, wel­che je­der ech­ten Got­tes­be­geg­nung vor­aus­ge­hen müssen.

MYSTERIENTEIL

5) Großer Einzug.

Für­bit­ten und Pries­ter­ge­be­te für die Gläubigen. 

Che­ru­bi­scher Hym­nos und Weih­rauch­dar­brin­gung. Der Chor singt den ers­ten Teil des che­ru­bi­schen Hym­nos „Himm­li­sche Scha­ren der Che­ru­bim bil­den wir im Mys­ter­ion ab, und sin­gen der le­ben­spen­den­den Drei­fal­tig­keit den drei­hei­li­gen Hym­nos, all ir­di­sche Sor­ge laßt fah­ren da­hin.“ Un­ter die­sem Ge­sang bringt der Vor­ste­her, be­glei­tet von Dia­ko­nen und ggf. Licht­trä­gern, im Al­ler­hei­ligs­ten und im gan­zen Tem­pel Weih­rauch dar, was das Na­hen der Gött­li­chen Ge­gen­wart an­zeigt. Da­bei er­in­nert er sich der Grö­ße und Er­ha­ben­heit der nun be­gin­nen­den schau­der­er­re­gen­den Mys­te­ri­en, der Hei­lig­keit Got­tes und bit­tet für sich um Läu­te­rung und um die Ein­wir­kung der Gna­de und Kraft des Hei­li­gen Geis­tes für den hei­li­gen Voll­zug, wo­bei er selbst nicht der wir­ken­de ist, son­dern der­je­ni­ge, durch den Chris­tus, der Sohn Got­tes und himm­li­sche Ho­he­pries­ter selbst, wirkt. In den fol­gen­den Ge­be­ten fin­den sich meh­re­re Bit­ten um Her­ab­sen­dung des Hei­li­gen Geis­tes, die spä­ter in der gro­ßen Her­ab­ru­fung zur Wand­lung (Epi­k­le­se) ih­ren Hö­he­punkt finden.

Gro­ßer Ein­zug. Pries­ter und Dia­ko­ne über­tra­gen nun die vor­ge­hei­lig­ten Op­fer­ga­ben vom Rüst­al­tar zum hei­li­gen Hoch­al­tar. Die­se fei­er­li­che Pro­zes­si­on hat meh­re­re Sym­bo­le­be­nen, de­rer je­der Gläu­bi­ge nun sich er­in­nert und sie in ehr­furchts­vol­ler geis­ti­ger Schau kon­templi­ert. In der Mit­te des Tem­pels ge­den­ken sie der Hier­ar­chen; bzw. wenn ein Bi­schof ze­le­briert, über­rei­chen sie nur die Ga­ben an der Pa­ra­dies­pfor­te dem Bi­schof, und die­ser spricht das Gedenken.

Der Chor singt den zwei­ten Teil des Che­ru­bi­schen Hym­nos „Den Kö­nig des Alls zu emp­fan­gen, ge­lei­tet in den Krei­sen der En­gel un­sicht­bar, Al­le­lu­ja.“, wäh­rend Pries­ter und Dia­ko­ne ins Al­ler­hei­ligs­te zie­hen. Der Vor­ste­her stellt die Ga­ben auf den Al­tar; da­bei wer­den die Kreuz­tü­cher von Kelch und Dis­kos ab­ge­nom­men und bei­des mit dem Wind ver­hüllt und be­weih­räu­chert. Das be­glei­ten­de Ge­bet ent­spricht ei­nem Kar­frei­tags­hym­nos und er­in­nert an Kreuz und Grab des Hei­lan­des. Schließ­lich bit­tet er um den Se­gen für die fol­gen­den hei­li­gen Voll­zü­ge, der mit den Wor­ten des En­gels Ga­bri­els an Ma­ria er­teilt wird „Der Hei­li­ge Geist wird über dich kom­men …“ und die Tü­ren und der Vor­hang der Hei­li­gen Pfor­te wer­den ge­schlos­sen. Letz­te­res ver­weist dar­auf, daß al­les, was für­der ge­schieht, den äu­ße­ren Sin­nen und dem äu­ße­ren Ver­stand un­zu­gäng­lich ist und nun­mehr al­les in geis­ti­ger Schau wahr­ge­nom­men wer­den muß.

Für­bit­ten und Ge­be­te um die An­nah­me der dar­ge­brach­ten Gaben.

6. Glaubensbekenntnis und Friedenskuß

Frie­dens­gruß.

Auf­for­de­rung zum Bekenntnis.

Frie­dens­kuß und Chris­tus­gruß zwi­schen al­len Be­tei­lig­ten (heu­te nur zwi­schen Klerikern)

Glau­bens­be­kennt­nis von Ni­ka­ia-Kon­stan­ti­no­pel, von al­len laut gesprochen.

7. Darbringung und Wandlung (Anaphora)

Wech­sel­ge­sang zwi­schen Pries­ter und Ge­mein­de zum eu­cha­ris­ti­schen Hoch­ge­bet „Hö­ret, stehen wir in Ehr­furcht, ha­ben wir acht, daß wir das hei­li­ge Op­fer in Frie­den vollbringen …“

Gro­ßes Pries­ter­ge­bet (Hoch­ge­bet) zur Dar­brin­gung (Op­fe­rung, Ana­pho­ra) „Wahr­haft wür­dig ist es und recht …“ Die­ses Ge­bet be­ginnt mit dem Lob­preis (Do­xolo­gia) und der Dank­sa­gung (Eu­cha­ris­tia) und mün­det zu­nächst in den En­gel­ge­sang des drei­mal Heilig.

En­gel­ge­sang „ Hei­lig, hei­lig, hei­lig ist Gott, der Her­re Sa­baoth …“, wo­mit alle An­we­sen­den in die Chö­re der En­gel er­ho­ben wer­den, d.h. ihr Be­wußt­sein zur geis­ti­gen Schau und zur Er­kennt­nis­kraft der En­gel er­he­ben sollen.

Ge­den­ken (Er­in­nern, Ana­mne­se) Fort­set­zung des Pries­ter­ge­be­tes zur Dar­brin­gung, Ein­füh­rung der Ein­set­zungs­wor­te und des Auf­tra­ges des Herrn vom Kardonnerstag.

Ein­set­zungs­wor­te, wo­bei der Chor je­des­mal ein me­lis­ma­ti­sches „Amen“ singt. 

Dar­brin­gung der Op­fer­ga­ben an Gott durch Er­he­bung (Ana­pho­ra, Ele­va­tio) der­sel­ben mit über­kreuz­ten Ar­men. Dar­auf singt die Ge­mein­de „Dir sin­gen wir, Dich prei­sen wir, Herr, Dir dan­ken wir und be­ten zu Dir, un­ser Gott“

Wand­lung der Op­fer­ga­ben durch Her­ab­ru­fung des Hei­li­gen Geis­tes (Epi­k­le­se). Der Pries­ter führt das Hoch­ge­bet wei­ter bis zur Her­ab­ru­fung des Hei­li­gen Geis­tes, wor­auf Gott, der Hei­li­ge Geist, selbst die Wand­lung wirkt. Dar­auf ru­fen alle laut drei­mal „Amen“ und wer­fen sich mit der Stirn zu Bo­den, als Ehr­furchts­be­zeu­gung ge­gen Gott, der nun im Fleisch er­schie­nen ist. Die gött­li­che Ge­gen­wart (Sche­chi­na) ist nun leib­haf­tig im Tem­pel gegenwärtig.

8. Gedenken der ganzen heiligen Kirche

Nach der Wand­lung wer­den die bei der Zu­rüs­tung zu­rück­ge­blie­be­nen Tei­le des Wei­he­bro­tes über den hei­li­gen Ga­ben ge­seg­net. Da nun die Ge­burt Got­tes im Flei­sche Ge­gen­wart ge­wor­den ist durch die Wand­lung der hei­li­gen Ga­ben, singt der Chor den Hym­nos der all­hei­li­gen Mut­ter Got­tes „Wahr­haft wür­dig ist es, dich zu ver­herr­li­chen …“ und dar­nach das „Auf die Für­bit­ten Dei­ner Hei­li­gen …“ so­lan­ge, bis die pries­ter­li­chen Ge­be­te be­en­det sind. Der Pries­ter ge­denkt un­ter die­sen Ge­sän­gen des gan­zen my­stischen Lei­bes der Kir­che, an­ge­fan­gen bei der all­hei­li­gen Mut­ter Got­tes, über die En­gel und Hei­li­gen bis hin zu den Hier­ar­chen, dem Alt­va­ter, den an­we­sen­den Gläu­bi­gen und en­det das Ge­den­ken mit den Wor­ten „… in al­lem und für al­les“, wor­auf die Ge­mein­de ant­wor­tet „Für alle und für al­les!“ Da­mit wird an­ge­deu­tet, daß die ge­sam­te Schöp­fung, das All und alle We­sen in ihm durch die­sen hei­li­gen Voll­zug mit­ge­weiht und ge­hei­ligt werden.

9. Vater Unser und Empfang der Gaben (Kommunion)

Frie­dens­gruß.

Für­bit­ten mit Be­zug auf die nun­mehr ge­wan­del­ten Ga­ben und Ein­lei­tung zum Her­ren­ge­bet „Va­ter un­ser …“, das von al­len laut ge­spro­chen, manch­mal auch vom Chor ge­sun­gen wird.

Ver­beu­gung und Beugungsgebet.

„Das Hei­li­ge den Hei­li­gen“ und die Ant­wort der Ver­samm­lung „ Ei­ner ist hei­lig …“ Der Vor­ste­her er­hebt das Lamm über dem Dis­kos, denn „hoch er­ho­ben bist Du über alle Himmel“.

Bre­chung des Lam­mes, Mi­schung von Leib und Blut, und Hin­zu­fü­gung des ko­chen­den Was­sers (Zeon) als Sym­bol der Glut der Lie­be und des Hei­li­gen Geis­tes und zum Zei­chen, daß in den Hei­li­gen Ga­ben der le­ben­di­ge ewi­ge Leib des Herrn, der Auf­er­ste­hungs­leib, ge­gen­wär­tig ist.

Ge­be­te und Ge­sän­ge vor der Kom­mu­ni­on. Die Ge­be­te wer­den von al­len kniend ge­spro­chen; sie sind erst in jün­ge­rer Zeit ein­ge­fügt wor­den und er­in­nern noch­mals an die Wirk­lich­keit, die sich den Gläu­bi­gen nun in Schau und Teil­ha­be mit­teilt. So­dann trägt der Le­ser oder der Chor die Kom­mu­ni­ons­ge­sän­ge oder Psal­men vor. Wäh­rend nun Pries­ter und Dia­ko­ne am Al­tar kom­mu­ni­zie­ren, voll­zie­hen die Gläu­bi­gen (nach der al­ten Sit­te, die heu­te oft nur noch in Klös­tern be­ach­tet wird) ihre Ver­eh­run­gen und stel­len sich, ge­ord­net nach Ge­schlecht und Al­ter, in ei­ner Schlan­ge vor der Hei­li­gen Pfor­te auf.

Öff­nung der Pa­ra­dies­pfor­te, Her­vor­tra­gung des Kel­ches und Kom­mu­ni­on der Gläu­bi­gen. So­bald der Vor­hang ge­öff­net wird, wer­fen sich die Gläu­bi­gen mit der Stirn zu Bo­den, wo­mit sie den nun­mehr er­schie­nen und her­vor­tre­ten­den Herrn be­grü­ßen, und sin­gen das „Ge­lo­bet sei der da kommt im Na­men des Herrn“. Dann er­he­ben sie sich wie­der, stel­len sich in der rech­ten Rei­hen­fol­ge ehr­furchts­voll mit vor der Brust über­kreuz­ten Ar­men auf und sin­gen das „Emp­fan­get den Leib Jesu Chris­ti und trin­ket von dem Quell des ewi­gen Le­bens, Al­le­lu­ja“. Un­ter letz­te­rem Ge­sang tritt je­der ein­zeln her­zu und der Pries­ter reicht je­dem Leib und Blut Chris­ti mit ei­nem Löf­fel. Zu­letzt seg­net der Pries­ter die Ver­samm­lung mit dem er­ho­be­nen Kelch, wen­det sich wie­der zu­rück und setzt den Kelch auf dem Al­ter ab.

10. Rückübertragung zum Rüstaltar und Schluß

Wäh­rend der Pries­ter die Res­te des Op­fer­bro­tes in den Kelch füllt, singt die Ge­mein­de oder der Chor das „Wir ha­ben das wah­re Licht ge­se­hen …“ So­dann tra­gen er und der Dia­kon Kelch und Dis­kos zu­rück zum Rüst­al­tar, wo dann ein Pries­ter oder Dia­kon die üb­ri­gen Ga­ben ver­zehrt und den Kelch sorg­fäl­tig un­ter ent­spre­chen­den Ri­ten reinigt.

Schluß­für­bit­ten.

Am­bo­ge­bet. Hier­zu steht der Pries­ter wie­der auf dem Ambo in der Mit­te des Tempels.

Ab­schlie­ßen­de Wech­sel­ge­sän­ge und Schluß­se­gen. Zu­letzt reicht der Pries­ter je­dem das Se­gens­brot (An­ti­do­ron). Da­bei küßt je­der zu­erst das Kreuz, das der Pries­ter in der lin­ken Hand trägt, dann legt der Gläu­bi­ge die ge­öff­ne­te rech­te in die lin­ke Hand und emp­fängt so das Se­gens­brot aus der rech­ten Hand des Pries­ters, wo­bei er die rech­te Hand des Pries­ter küßt und sich mit ei­ner Ver­beu­gung ent­fernt. Es gibt be­son­de­re mit Kreu­zen ver­zier­te Tü­cher, wel­che die Gläu­bi­gen in die rech­te Hand le­gen, da­mit kei­ne Krü­mel vom Se­gens­brot auf den Bo­den fal­len, was eine Sün­de wäre. Das Se­gens­brot wird auch An­ti­do­ron ge­nannt, „Gabe an­statt“, weil es für die­je­ni­gen, die die Hei­li­gen Ga­ben nicht emp­fan­gen ha­ben, an­stel­le der­sel­ben ge­ge­ben wird.

Dank­ge­be­te. Der Le­ser re­zi­tiert die „Ge­be­te nach der Kommunion“.

Wäh­rend­des­sen ver­zeh­ren die Gläu­bi­gen still ei­nen Teil des Se­gens­bro­tes, ei­nen Teil wi­ckeln sie in das Tuch und neh­men es mit nach Hau­se, um je­den Mor­gen ein Stück­chen da­von zu es­sen und so die gött­li­che Kraft, die von der Mys­te­ri­en­fei­er her dar­in wohnt, auf­zu­neh­men. Die nicht kom­mu­ni­ziert ha­ben, ver­eh­ren die Iko­nen wie ge­wöhn­lich, der Pries­ter legt un­ter ent­spre­chen­den Ge­be­ten die hei­li­gen Ge­wän­der ab.

Man ver­läßt den Tem­pel schwei­gend oder bleibt noch zum stil­len Ge­bet, um die gro­ßen Mys­te­ri­en, de­rer wir ge­wür­digt wur­den, nicht durch Ge­schwätz und Lärm zu verunehren.

An­mer­kun­gen, Un­ter­schie­de zwi­schen Klös­tern und Weltgemeinden

In der Ri­tual­ord­nung (Ty­pi­kon) der Lit­ur­gie gibt es kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Klös­tern und welt­li­chen Kirch­ge­mein­den, wohl aber ge­le­gent­lich in der Pra­xis, also der Art und Wei­se, wie die hei­li­gen Hand­lun­gen voll­zo­gen wer­den. Un­ab­hän­gig da­von gibt es star­ke re­gio­na­le und na­tio­na­le Un­ter­schie­de in Ge­sang und Men­ta­li­tät, ab­ge­se­hen von der Spra­che, die oh­ne­hin stets die Spra­che des Vol­kes bzw. des Lan­des ist.

Im Klös­tern ist z.B. grund­sätz­lich elek­tri­sche Be­leuch­tung im Tem­pel ver­bo­ten, weil das na­tür­li­che Licht sei­ne ei­ge­ne Sym­bo­lik hat. Bie­nen­wachs und Öl sind Op­fer­ga­ben, die Gott dar­ge­bracht wer­den, um dann in Öl­lam­pen und Ker­zen als Sinn­bild des gött­li­chen, ewi­gen Lich­tes zu leuch­ten. In den Welt­ge­mein­den hin­ge­gen gibt es heu­te fast über­all elek­tri­sches Licht, weil kaum je­mand mehr die auf­wen­di­ge Pfle­ge der Öl­lam­pen und die ho­hen Kos­ten für ech­te Bie­ne­wachs­ker­zen auf sich neh­men möchte.

In Welt­ge­mein­den wird auf die Be­wah­rung der Ar­kan­dis­zi­plin lei­der oft ver­zich­tet, zu­mal im Wes­ten, nicht nur weil meist kein Vor­tem­pel vor­han­den ist und eine ge­wis­se An­ony­mi­tät be­steht. Auch die Ver­eh­rungs­for­men und Ri­ten der Teil­ha­be der Gläu­bi­gen sind in den letz­ten Jahr­zehn­ten sehr stark zu­rück­ge­gan­gen, nicht zu­letzt, weil ei­ni­ge da­mit an­ge­fan­gen ha­ben, Stüh­le oder Bän­ke in die Kir­che zu stel­len und die Gläu­bi­gen auf den Sta­tus von Zu­schau­ern zu­rück­ge­drängt wer­den. Vie­le Men­schen emp­fin­den das zwar als be­que­me An­nehm­lich­keit, über­se­hen aber da­bei die ent­setz­li­che geis­ti­ge Ver­ödung, die da­mit ein­her geht. Ent­spre­chend ist es in den Kir­chen oft laut, es wird ge­spro­chen, un­nö­tig hin und her ge­lau­fen, so daß es schwie­rig wird, im ei­gent­li­chen Sin­ne am Got­tes­dienst so teil­zu­neh­men, wie es ur­sprüng­lich ge­dacht ist. Dazu paßt es, daß die Men­schen kei­ne an­ge­mes­se­ne Klei­dung tra­gen, man sieht heu­te Män­ner in Jeans, Ar­beits- oder Frei­zeit­kla­mot­ten, manch­mal so­gar Frau­en in Ho­sen und ohne Kopf­be­de­ckung im Tem­pel, was nicht nur im kras­sen Wi­der­spruch zum bi­bli­schen Ge­bot und den gu­ten Sit­ten steht, son­dern vor al­lem eine Ent­wür­di­gung und Be­lei­di­gung des Hei­lig­tums und des Got­tes­diens­tes ist, der da­durch ge­wis­ser­ma­ßen zum be­gaff­ten folk­lo­ris­ti­schen Thea­ter de­gra­diert wird, dem man in­ner­lich fremd ge­gen­über­steht. Klei­dung und Hal­tung sind al­les an­de­re als be­lie­big, son­dern sie ber­gen stets ei­nen Sinn, eine Bot­schaft, und sind, be­wußt oder un­be­wußt, wil­lent­lich oder un­wil­lent­lich, Aus­druck der Hal­tung des je­wei­li­gen Men­schen Gott, dem Hei­li­gen und sei­nen Mit­men­schen ge­gen­über. Vie­le Un­sit­ten re­sul­tie­ren aus Un­wis­sen­heit, sind der all­ge­mei­nen mo­der­nen an­ti­christ­li­chen Men­ta­li­tät und Kon­sum­hal­tung ge­schul­det und dür­fen auf kei­nen Fall als cha­rak­te­ris­tisch für den or­tho­do­xen Kult an­ge­se­hen wer­den; im Ge­gen­teil. Wo die Kir­che um die Men­schen buhlt und es nur dar­um geht, mög­lichst vie­le Be­su­cher zu ha­ben, ent­steht all­zu schnell eine un­an­ge­mes­se­ne Hal­tung („ der Kun­de ist Kö­nig“), die kei­nen Raum mehr für ech­te Hin­ga­be und Re­li­gio­si­tät läßt und dem Men­schen das Wich­tigs­te, näm­lich die An­lei­tung zur Um­kehr und zur Hei­li­gung, vor­ent­hält. Umso ach­tens­wer­ter und kost­ba­rer ist es, wenn trotz des herr­schen­den Zeit­geis­tes in nicht we­ni­gen Kirch­ge­mein­den eine bes­se­re, über­lie­fe­rungs­ge­mä­ße, Hal­tung und Pra­xis ge­lehrt wird.

In tra­di­tio­nell or­tho­do­xen Län­dern ist das, wenn auch nicht mehr über­all, so doch in vie­len Ge­gen­den, noch bes­ser. Ehr­furcht und gute Hal­tung drü­cken sich prak­tisch aus, in­dem die Gläu­bi­gen sich durch stren­ges (oft über die kirch­li­che Re­geln hin­aus­ge­hen­des) Fas­ten, durch Beich­ten, durch Be­mü­hung um Über­win­dung von zwi­schen­mensch­li­chen Kon­flik­ten usw. ernst­haft auf den Emp­fang der Kom­mu­ni­on vor­be­rei­ten und in wür­di­ger Klei­dung zur Kir­che kom­men. Was lit­ur­gisch in den hei­li­gen Voll­zü­gen of­fen­bart und er­fah­ren wird, muß ja durch kon­kre­tes Le­ben in der Ge­mein­schaft und per­sön­li­che Wand­lung und Hei­li­gung, in ei­ner be­son­de­ren Kul­tur geist­li­chen Le­bens, ein­ge­übt und ver­wirk­licht wer­den, denn „der Glau­be ist tot ohne Wer­ke“. Erst wenn al­les, Geist und Le­ben, Kul­tus, rech­te Ord­nung, in­ne­re und äu­ße­re Hal­tung, Wis­sen und Er­kennt­nis, Tun und Las­sen, Ethos, Le­ben, Glau­be und Treue, Be­kennt­nis und Wirk­lich­keit zu­sam­men­kom­men, wird auch der lit­ur­gi­sche Be­reich wirk­lich stim­mig sein, wer­den Form und In­halt, Sein und Be­wußt­sein mit­ein­an­der im Ein­klang ste­hen und Gott und Mensch in hei­li­ger Har­mo­nie zusammenklingen.

Die­se Stim­mig­keit und Har­mo­nie re­sul­tiert nicht al­lein aus dem gu­ten Wis­sen um die lit­ur­gi­schen Zu­sam­men­hän­ge und die lit­ur­gi­sche Sym­bo­lik, nicht al­lein aus dem Wis­sen um den sa­kra­men­ta­len und mys­t­ago­gi­schen Ge­halt und Sinn der Lit­ur­gie, son­dern auch aus der kon­kre­ten Le­bens­ge­stal­tung und dem auf­rich­ti­gen Mü­hen ei­nes je­des Ein­zel­nen um Läu­te­rung und Heiligung.